2. Zukunfts- und Innovationsforum Tourismus

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Rund 120 Touristiker aus Salzburg und Bayern trafen sich am 11.11. beim 2. Zukunfts- und Innovationsforum im Tauern Spa Kaprun und informierten sich über Innovationsansätze im Wintertourismus.

ZIFT_SchafetterBegrüßt wurden die Teilnehmer von Landtagsabgeordneten Mag. Hans Scharfetter und der Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Salzburg, Andrea Stifter – beide auch erfolgreiche Tourismusunternehmer. Scharfetter unterstrich die ökonomische Bedeutung des Wintertourismus und nannte insbesondere die Internationalisierung, den Klimawandel und den skifahrerischen Nachwuchs als Herausfordeungen.

ZIFT_StifterStifter hielt fest, dass heute die Angebote von den Tourismusunternehmern perfektioniert wurden. Gerade jetzt sei es aber an der Zeit, darüber nachzudenken, wie wir unsere Dienstleistungen  kundenorientiert und intelligent weiter entwickeln können.

ZIFT_Zeck„Die Zeiten an denen die Leute zwei Stunden lang am Lift angestanden haben, sind vorbei. Die Zeiten des einfachen Wachstums sind vorbei“, stellt Eingangsredner Roland Zegg, Geschäftsführer der Schweizer grischconsulta fest. Heute bewegen sich Tourismusdestinationen in gesättigten Märkten und der Winterurlaub hat enorme Konkurrenz von Wellness-, Städte-, Kreuzfahrts- und Sonnenurlauben bekommen. Die demografische Entwicklung, die immer weniger Junge und immer mehr Alte ausweist oder Migranten ohne Bezug zum klassischen Skisport verschärfen das Problem zusätzlich. Zudem wird die Bereitschaft der Jungen geringer, ihr Geld für Wintersport auszugeben und die Identifikation mit dem ehemaligen Nationalsport nimmt ab: In den letzten Jahren stehen in Österreich um die 300.000 verkaufte (und verliehene) Skier etwa 3,6 Millionen verkauften Mobiltelefonen gegenüber. Wir sehen den klassischen Wintersporttourismus derzeit also in seiner Reifephase, ideal um diesen durch inkrementelle Weiterentwicklungen am Leben zu erhalten und gleichzeitig radikale Neuentwicklungen als Alternative voranzutreiben.

Trotz des Drucks sollen sich die Alpenregionen aber nicht auf den Preiskampf einlassen, sondern laut Zegg mit Qualität und perfekter Positionierung punkten: „Wir sind das Original, wir sind authentisch, wir dürfen und sollen teuer sein“ gab er als Motto aus. Dass diese Linie mit der richtigen Positionierung Erfolg hat, zeigten die Zermatt Bergbahnen: die teuersten Bergbahnen in der Schweiz mit dem höchsten Erfolg. Man hat sich auf wenige Werte spezialisiert und weicht nicht von einer Linie ab: nachhaltig, ökologisch und luxuriös. Als anderes Positionierungsbeispiel wurde das Kitzsteinhorn genannt, dass sich neben dem klassischen Skisport in Richtung „Sightseeing am Gletscher“ neu positioniert und große Erfolge damit hat. Nach der Positionierung zählen für Zegg noch stimmige und innovative Produkte, Präsenz und vor allem Leadership – zu wissen wohin man will und konsequent die nötigen Schritte zu setzen – zu den Erfolgsrezepten.

ZIFT_DMOsDie Gesprächsrunde mit den Destinationsgeschäftsführern der am Projekt “Innovationen in Destinationen” teilnehmenden Regionen zeigte, dass neben der erfolgreichen Weiterentwicklung des hochtechnisierten Wintersports, etwa in Flachau, auch “sanftere” Produkte wie Alm-Chalets im Tennengau, mit denen den urbanen Gästen die Möglichkeit geboten wird, im Urlaub den “Luxus” einer Hütte zu geniessen Erfolg haben. In Bayern wird zudem beobachtet, dass ökologiebewusste und urbane Gäste zunehmend auf Skigebiete mit weniger Frequenz und kürzeren Abreisewegen zurückgreifen, um dem Alltagsstress zu entgehen. Sozusagen als Gegenbewegung zum klassischen Wintersport in großen Österreichischen oder Schweizer Gebieten. Wenn dies auch Nischenzielgruppen sind und bleiben werden. Alle Geschäftsführer sind sich einig, dass – wie von Zegg gefordert – eine klare Positionierung  verstärkt werden muss und eine innovative Produktentwicklung in den Kerngeschäftsfeldern notwendig ist.

ZIFT_MarkusKonkrete Ausgangspunkte für Erfolgsrezepte hat Markus Lassnig, Forscher bei der Salzburg Research GmbH, aufgezeigt. Er stellte die Ergebnisse einer Innovationspotenzialanalyse mit Touristikern und Gästen von Regionen aus Salzburg und Bayern vor. „Die Touristiker sind kritischer als die Gäste“, fasst Lassnig zusammen, „sie sehen oft noch Handlungsbedarf, wenn die Gäste bereits sehr zufrieden sind“. Trotzdem gibt es noch einige Innovationspotenzialfelder, die auf neue Ideen geradezu warten: Die Gäste haben ein hohes Bedürfnis danach, ihre Sachen in Sicherheit zu wissen, einfach die nächste Toilette zu finden, in den Unterkünften (kostenlos) WLAN nutzen zu können und ganz wichtig: stau- und stressfrei bzw. mit möglichst wenig Umstiegen anreisen zu können. Gerade im Wintertourismus wird Staufreiheit besonders hervorgehoben. Die Touristiker selbst könnten mit der Befriedigung eines anderen Bedürfnisses dazu beitragen: die Gäste wünschen sich flexible An- und Abreisetage sowie kulantere Stornobedingungen. Diese Punkte sind für viele Touristiker noch blinde Flecken. Immer noch unterschätzt wird außerdem die Wertschätzung der Stammgäste. Kleine Boni und Vorteile, sowie die Information darüber, welche Vorteile Stammgäste genießen, sind klar erwünscht und kommen gut an.

ZIFT_RansEin mögliches Zukunftsmodell, das an das Stammgastkonzept anschließt, stellte Hansjörg Ransmayr von der Werbeagentur Ramses vor. Bonus2Ski heißt das Kundenbindungsprogramm, das mit Partnern im Pinzgau und in Tirol starten soll. Es setzt dort an, wo es am effektivsten und am günstigsten ist: am loyalen Skigast. Dieser Gast kann Boni und Vorteile sammeln. Derzeit arbeite man gemeinsam mit Skidata an der dahinterliegenden Software.

Die FH Salzburg stellte die für das erste Quartal 2015 geplanten Maßnahmen im Rahmen von “Innovationen in Destinationen” vor. Sie zeigte erste innovative Erfolgsbeispiele und freute sich über die im Projekt bisher entstandenen Netzwerkeffekte. Vor allem aber hielt er ein Plädoyer für die fachliche Innovationsmanagement-Ausbildung von Mitarbeitern im Tourismus. Sie betonte, dass diese nachhaltig zu innovativen Outputs führt, wenn diesen motivierten und gut ausgebildeten Menschen die Möglichkeit gegeben wird, ihr neu erlerntes Wissen durch entsprechende Ressourcen (Zeit, “Macht” und Geld) anzuwenden.

ZIFT_WorkshopDie rund 120 Teilnehmer des Forums brachten während des Konferenztages ihre Ideen unter Moderation von Tourismusdesigner Martin Schobert ein. Schobert fasste am Ende des Nachmittags erste Ergebnisse dieser Inputs zur Zukunft Wintertourismus zusammen. ZIFT_MartinSo gab es zahlreiche Anregungen zu Kooperation vor allem im Marketing, um gemeinsam den Gast von morgen anzusprechen. Wintersportregionen sollen sich zu Erlebnisgestaltern entwickeln und die Bedürfnisse des Gastes in den Fokus nehmen. Nicht zuletzt wurde auch vom Publikum eine zeitgemäße Ansprache von Stammgästen als Mittel zur Sicherung der Märkte gesehen.

ZIFT_LorenzDie Veranstaltung wurde von DI Lorenz Maschke von ITG – Innovationsservice für Salzburg organisiert und mit der Einladung, auch am unmittelbar nachfolgenden “Forum Zukunft Winter” des Netzwerk Winter teilzunehmen, geschlossen.

Die Präsentationen des Nachmittags sind hier zum Download bereitgestellt. Hier der Link zur Prezi-Präsentation von Martin Schobert.

ZIFT_Gruppe
Von links nach rechts: Roland Zegg (grischconsulta), Franz Schenner (Netzwerk Winter), Walter Haas (ITG-Innovationsservice für Salzburg), Mario Jooss (FH Salzburg), Andrea Stifter (Wirtschaftskammer Salzburg), T. H. (FH Salzburg), LAbg. Hans Scharfetter (Land Salzburg), Birgit Sedlmayer-Gansinger (Moderation), Markus Lassnig (Salzburg Research), Lorenz Maschke (ITG-Innovationsservice für Salzburg).