Nachschau 1. Zukunfts- und Innovationsforum Tourismus

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„Verlassen sie ihr Gedankengefängnis und lassen sie sich auf neue Welten ein“, mit diesen Worten begrüßte Innovationsforscher Mag. (FH)  H. von der FH-Salzburg am 9. April 2014 die rund 200 Gäste beim 1. Zukunfts- und Innovationsforum Tourismus im K1 in Traunreut im bayerischen Chiemgau.

Der Kongress, der im Rahmen des grenzüberschreitendenden EU-Interreg-Projekts „Innovationen in Destination in Oberbayern und Salzburg“ stattfand, widmete sich im Speziellen dem Thema „Innovationen im Sommertourismus“. Im Rahmen von fünf innovationsgeladenen Vorträgen beantwortete das Programm des Forums einerseits Fragen rund um die Kunst der Innovation, möglichen Innovationskillern und -anleitungen, beschäftigte sich andererseits aber auch mit der Innovationswirklichkeit anhand von konkreten Best-Practice Beispielen und aktuellen Marktforschungsergebnissen.

ZIFT Diskussionsrunde DMO-CEOsZIFT Diskussionsrunde ForschungDer Frage, welche Innovationen der Sommertourismus in den teilnehmenden sechs Projektdestinationen Chiemgau, Berchtesgadener Land, Tegernseer Tal, Ferienregion Tennengau, Ferienregion Lungau und Flachau nun tatsächlich benötige, versuchten verschiedene TourismusexpertInnen und ForscherInnen in der Form eines Panels nachzugehen. Dazu interviewte Mag. Werner Taurer, Lehrender für Imagineering, Innovation & Management an der Fachhochschule Salzburg sowie Unternehmensberater bei Kohl & Partner, die Geschäftsführer der teilnehmenden Tourismusverbände Stephan Köhl (Berchtesgadener Land Tourismus), Stephan Semmelmayr (Chiemgau Tourismus) , Georg Overs (Tegernseer Tal Tourismus) und Franz Pölzleitner (Genus- und Erlebnisregion Tennengau). In einer zweiten Runde wurden zusätzlich die in das Projekt involvierten Projekttreiber und -partner gebeten zu beantworten wie diese Innovationstätigkeiten der Betriebe und Destinationen durch Forschung und Wissenstransfer fördern können, wozu sowohl FH-Prof. Dr. Mario Jooss (Tourismusforschung FH Salzburg), FH-Prof. Eva Brucker (Studiengang Innovation & Management im Tourismus, FH Salzburg), Dr. Markus Lassnig (Salzburg Research Forschungsgesellschaft) und Mag. Bernhard Lehofer (ITG-Innovationsservice für Salzburg) Rede und Antwort standen.

ZIFT - Carsten K. RathAls Keynote Speaker referierte Carsten K. Rath, erfolgreicher Unternehmer und Firmengründer der Hotelgesellschaft Lifestyle Hospitality & Entertainment Group sowie der RichtigRichtig.com Unternehmensberatung, zum Thema „Service Excellence als mögliche Antwort für Innovationen“. In seinem Vortrag betonte er dabei besonders den Wert der emotionalen Bindung zwischen Gastgebern und Gästen und veranschaulichte anhand zahlreicher Beispiele wie gelebte Herzlichkeit in diesem Zusammenhang aussehen kann. Hr. Rath warnte in Bezug auf die Innovationstätigkeiten eindringlich davor sich mit anderen, den Mitbewerbern im Markt, zu vergleichen, also zu Benchmarken. An statt dieser gängigen Praxis im Unternehmensalltag schlug er den anwesenden Unternehmern vor, ihre Innovationen von den Bedürfnissen der Gäste abzuleiten. Seine Vortragsfolien stehen hier zum Nachlesen zur Verfügung.

ZIFT ErhartersEinen Höhepunkt im Programm stellte sicherlich die innovative Innovationsanleitung der Gebrüder Erharter dar. Wolfgang A. Erharter, selbstständiger Management Consultant – zuletzt bei Malik in St. Gallen – legte dabei unter Begleitung von Violine gemeinsam mit seinem Bruder Klaus Erharter am Klavier, musikalischer Leiter am Reinhard-Seminar der Musikuniversität Wien, die Begründungen seiner These „Kreativität gibt es nicht!“ dar. An Stelle der Häufig für Innovationen als Notwendigkeit erachteten Kreativität oder Geistesblitze sieht er schlicht Produktivität und Rekombinationen von Vorhandenem als gute Anleitung die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Erharters Thesen wurden alle mit historischen und aktuellen Beispielen aus der Musik und den “kreativen” Schaffensprozessen der Künstler eindrucksvoll musikalisch live illustriert. Seiner Anleitung zufolge zeichnen sich Innovationen demnach vor allem durch folgende 4 Eigenschaften aus: Relevanz, Überlegenheit, Einfachheit und Nachhaltigkeit.

Einblicke in die Innovationswirklichkeit boten danach Eckart Mandler, Geschäftsführer der Wanderhotels – best alpine und David Monte, Director Pre-Opening der a-ja Resort und Hotel GmbH.

ZIFT Mandler EckhartWie bereits Carsten K. Rath betonte Mandler dabei den besonderen Wert der Emotion: „Es geht um das Erleben, das Motiv warum ein Gast wohin fährt.“ In diesem Zusammenhang bot der Unternehmer den Forumsteilnehmerinnen Anregungen zu verschiedensten Gefühlsverstärkern mit denen die Wanderhotels-Kooperation bereits seit längerem arbeitet. So gibt es beispielsweise soziale, funktionale und magische Gefühlsverstärker, aber auch Geschichten und Serviceleistungen können als Gefühlsverstärker wirken. Herr Mandler stellte dar, wie er sich fortlaufend um inkrementelle Innovationen in seiner Kooperationsgruppe bemüht. So verbrachten die Kooperationsmitglieder aus diesem Grund unlängst eine Woche im höchsten Hotel in Berlin, um entsprechenden Weitblick zu bekommen und unterhielten sich mit den Bewohnern des urbanen Berlins über das Thema Wandern, um neue Einblicke in die Gedanken derjenigen Menschen zu erhalten, die mit Wandern noch gar nichts am Hut haben. Letztendlich konnten aus diesen Gesprächen mit Menschen, die einen offenen und anderen Blick auf das Thema Wandern hatten, 4 neue Ideen für die Wanderhotels gewonnen und umgesetzt werden. Hrn. Mandlers Ausführungen zum emotionalen Marketing gibt es hier zum Nachlesen.

ZIFT David Monte„Deutschland braucht kein weiteres 4****Hotel“, so die Vision der aja-Resorts und Hotels. In seinem Vortrag erklärte David Monte auf beeindruckende Weise, wie die aja-Hotels ihr Ziel eines „Hotels für die Gäste“ verfolgen und umsetzen. Die Innovation dieser Hotels steckt dabei vor allem in dem Geschäftsmodell und in der Umsetzung ihres Mottos „Hochklassig, aber nicht hochpreisig“, welches sie durch einen fixen kostengünstigen Zimmerpreis mit individuell zubuchbaren Extraleistungen realisieren. Das aus der Airlineindustrie bekannte Konzept der “No Frills” wurde hier für die Hotelindustrie gedacht und umgesetzt. Eindrücke von den aja-Resorts gibt es hier nachzulesen.

ZIFT Markus LassnigMit besonderer Spannung wurden von den ForumsteilnehmerInnen die Marktforschungs-ergebnisse von Dr. Markus Lassnig erwartet. Als eine der vielen Projektmaßnahmen des EU-Projekts „Innovationen in Destinationen“ führte die Salzburg Research Forschungsgesellschaft in allen sechs Projektregionen eine Innovations-Potentialanalyse durch, welche in der Form einer Online-Bedürfniserhebung die tatsächlichen Konsumentenbedürfnisse von Gästen mit der Wahrnehmung aus Anbietersicht verglich. Insgesamt wurden dazu über 1200 Gäste und 500 TouristikerInnen aus den teilnehmenden Destinationen befragt. Wo Innovationspotenziale im Sommertourismus liegen, kann hier nachgelesen werden. Weitere Ergebnisse werden im Laufe des Jahres ausgewertet und das nächste mal beim 2. Innovations- und Zukunftsforum am 5. November 2014 an der FH-Salzburg präsentiert werden.

ZIFT PlenumEin besonderer Dank gilt an dieser Stelle allen mitwirkenden Projektpartnern, den Innovations-Coaches aber vor allem den ForumsteilnehmerInnen, die sich aktiv in die Vorträge eingeschaltet haben und mitdiskutierten bzw. Fragen stellten. Wir hoffen, Sie auch beim 2. Zukunfts- und Innovationsforum Tourismus am 5. November 2014 an der Fachhochschule Salzburg zum Thema „Innovationen im Wintertourismus“ wieder begrüßen zu können. Die Veranstaltung wurde von der Internetagentur ncm.at sowie der Tourismusberatung Kohl&Partner dankenswerterweise durch Spenden unterstützt.

Weiterlesen? Dann gibt es hier noch das Blog einer interessierten Besucherin beim Forum inkl. grafisch fein gestalteter Mitschriften…