IWS3: Ideen-Labor „Familien-Naturerlebnisse“ im Berchtesgadener Land

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Bei traumhaftem Herbstwanderwetter fand im Rahmen des EU-Projekts „Innovationen in Destinationen“ am Dienstag, den 22. Oktober 2013 der dritte und vorerst letzte Ideen-Workshop in Berchtesgaden statt. Dieser führte die TeilnehmerInnen auf eine ganz besondere Erlebnisreise zur Bergstation der Jennerbahn in Schönau am Königssee. Bei einer wunderbar entschleunigenden Fahrt mit der historischen Jennerbahn konnten sich die TeilnehmerInnen optimal auf das im zweiten Workshop definierte Thema „Natur und Tradition inszenieren“ einstimmen und sich aus der Vogelperspektive heraus schon vorab ein Bild vom Wanderparadies Berchtesgadener Land machen.

Jennerbahn-Betriebsleiter Wilfried Däuber begrüßte die rund 25 TeilnehmerInnen im Marktrestaurant der Bergstation und verwies dabei stolz auf ein „Novum am Berg“ – die Kombination aus Jennerbahn, eine der ältesten Bahnen Deutschlands und der neuen Anlage am Krautkaserhang, eine der modernsten Anlagen ihrer Art deren Inbetriebnahme für Anfang Dezember dieses Jahres geplant ist.

Maria Stangassinger BGLTMaria Stangassinger vom Berchtesgadener Land Tourismus, derzeit eine von rund 26 Innovations-Coaches, die im Rahmen des Projekts in der Innovations-Coach-Akademie an der FH-Salzburg ausgebildet werden, informierte danach kurz über den aktuellen Stand des Projekts und begrüßte ihrerseits die Teilnehmer. Anschließend leitete Lorenz Maschke vom ITG-Innovationsservice für Salzburg, den Workshop mit einem kurzen thematischen Abriss zur Fragestellung „Was ist Inszenierung?“ ein und stellte die Referentin Elisabeth Göllner-Kampel vom Wandaverlag in Salzburg vor.

WandaverlagElisabeth Göllner-Kampel ist Wanderbuchautorin und Verlegerin der beliebten Kinder- und Kinderwagen-Wanderführer. Entstanden ist ihre innovative Produktidee ursprünglich aus dem eigenen Bedürfnis heraus, für ihre Familie Kinderwagen-taugliche Wanderrouten zu recherchieren. Aus diesem Hobby entwickelte sich bald eine Sammlung von Wegen, die auch bei Freundinnen und Bekannten auf immer größeres Interesse stieß und eine ebenso große Bedarfslücke aufzeigte. 2008 gründete sie schließlich den Verlag und ist mit ihren Büchern mittlerweile in fast allen österreichischen Bundesländern sowie in Bayern, Baden-Württemberg und der Ostschweiz vertreten.

Mit zahlreichen Ideen und Anwendungsbeispielen aus dem Berchtesgadener Raum schilderte die Autorin in ihrem Vortrag, was Familien in der Natur erleben wollen und wie viel sich bereits durch kleine Inputs erreichen lässt. Stets mit dem strengen Blickwinkel aus Sicht der Familie und unter dem Leitsatz „Natur bietet den besten Spielplatz“, konzentrieren sich ihre Wanderführer auf die kleinen und leisen Dinge am Wegesrand. Verwinkelte Wege, Baumstämme zum Balancieren, Steine mit Gucklöchern oder Naturmaterialien für Rollenspiele, geschätzt werde vor allem die Abwechslung. Gerade bei Familien mit Kindern könne man oft ohne großen Aufwand Punkte sammeln und oftmals reiche eine wertschätzende Geste, so der Rat der Expertin an die anwesenden Hoteliers und Gaststättenbetreiber.

Berchtesgadener Ideen-Labor-KreativistenDas „Familien-Naturerlebnis am Jenner“ mit Innovationen auf allen Ebenen entlang der Dienstleistungskette stellte den Ausgangspunkt für die anschließende Ideenentwicklung dar. In insgesamt drei Kleingruppen, wiederum aufgeteilt in Familien und Anbieter, analysierten die TeilnehmerInnen die zentralen Bedürfnisse der involvierten Personengruppe in der Unterkunft, bei der Seilbahnnutzung, während der Almwanderung und beim Einkehren auf der Almhütte. Nach einer Kurzvorstellung der Ergebnisse aus den Kleingruppen ging es in einem zweiten Schritt daran, diese oft divergierenden Bedürfnisse zu kombinieren und daraus konkrete Produktvorschläge für Familien zu entwickeln. Aus den individuellen Ideen sollte dann pro Leistungsebene die jeweils beste und vielversprechendste Idee gekürt und vorgestellt werden.

Berchtesgadener IdeenZu den beliebtesten Ideen zählte unter anderem der „Image-Film für Unterkünfte“, ein von den TeilnehmerInnen entwickeltes Grobkonzept für eine Marketingmaßnahme, welche die Familienfreundlichkeit und Vielseitigkeit von Unterkünften in den Vordergrund stellen soll. Die mehrsprachige „Seilbahn-Audio-Tour für Smartphones“, welche sowohl für Kinder als auch Erwachsene interessante Informationen rund um das Bergpanorama und die angrenzende Wanderwege liefert und gleichzeitig die Auffahrzeit verkürzen soll, begeisterte ebenso wie die „Oimalebn-App“, ein mobiler Almführer, der sämtliche Erklärungen zum Wanderwege-Netz, Flora und Fauna, Pausenplätzen, Geocaches sowie dem Senner- und Almleben beinhaltet.

Im Großen und Ganzen zeigte der Workshop, dass die Möglichkeiten für Innovationen im Familientourismusbereich unendlich vielfältig sind und oft schon kleine Inputs ausreichen, um eine große Wirkung zu erzielen. Wie schon im Themen-Workshop in Berchtesgaden, ließ sich auch hier feststellen, dass für das Berchtesgadener Land vor allem jene Lösungen attraktiv sind, welche Information und Kommunikation mit Natur und Tradition verbinden.